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Er hatte zwar
viele verschiedene Sichtweisen und Meditationen kennen gelernt, aber nie
etwas, das die Kraft gehabt hätte, wirklich alle Wesen vollständig von allem
Leiden zu befreien. Deswegen setzte er sich schließlich unter einen laubreichen
Baum in Bodhgaya, einem Ort in der nordindischen Tiefebene, und verweilte
dort sechs Tage und sechs Nächte in tiefer geistiger Versenkung. An einem
Vollmondmorgen im Mai erkannte er, dass es eigentlich keine Trennung zwischen
dem Erleber und den Erlebnissen gibt, dass es weder ein unabhängiges Selbst
gibt, noch eine unabhängig vom Erleber existierende äußere Welt. Er erlebte,
dass diese Erkenntnis nicht in ein Nichts führte, sondern dass die wahre
Natur des Geistes voller Reichtum ist, dass sie sich als Furchtlosigkeit,
unbedingte Freude und unterscheidungslose Liebe zeigt.
Seither wird Prinz Siddharta Gautama "Buddha, der Erwachte" genannt,
erwacht aus dem Schlaf der Unwissenheit und Verwirrung - genau wie man morgens
aus einem Traum erwacht. Obwohl der Traum intensiv war und als sehr wirklich
erlebt wurde, ist nach dem Aufwachen nichts mehr davon zu finden, außer
vielleicht einer Erinnerung. Genauso kann man auch aus seiner jetzigen Verwirrung
- der dualistischen Wahrnehmung und dem Wirklichkeitsglauben - erwachen.
Hierbei verschwinden die alten Leiden genauso wie der Traum beim Aufwachen. |
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