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Die Meditation der Geistesruhe richtet den Geist auf eine Stelle aus, damit er zur Ruhe (tib.: Shine, skt.: Shamata) kommt. Das Bewusstsein richtet sich entweder auf einen Gegenstand (z.B. einen Stein oder eine Buddhaform) aus oder ruht formlos auf dem Atem. Man verweilt auf diese Weise absichtslos im "Hier und Jetzt" der Gegenwart. Gedanken können entstehen, aber man folgt ihnen nicht. Wenn dies dennoch geschieht und man in Vergangenheit oder Zukunft abgleitet, kehrt man entspannt wieder zum Gegenstand der Konzentration zurück. Durch diese Übung kommt der Geist zur Ruhe. Er wird wie die ungestörte Oberfläche eines Sees, der alles klar widerspiegelt. Dies ist mit einer Erfahrung von Klarheit und Freude verbunden. Die Wirkung der Praxis zeigt sich in Form von mehr Überschuss und Leichtigkeit sowie in der zunehmenden Fähigkeit, störende Gefühle im eigenen Geist einfach loszulassen. Auf der Grundlage von Shine/Shamata entsteht Einsichtsmeditation (tib.: Lhaktong, skt.: Vipassana). Sie richtet sich auf das Erkennen der Natur des eigenen Geistes. Im Zustand der Ablenkung hat der Geist keine Möglichkeit, auf sich selbst zu schauen. So wie das oben als Beispiel erwähnte Auge, sieht er alles, was erlebt wird, ohne sich selbst sehen zu können (Unwissenheit). Aus dem Zustand der Ruhe - des "nicht-abgelenkt-Seins" - heraus wird es jedoch möglich, auf den eigenen Geist, den Erleber, zu schauen. Man sieht, wie Gedanken und Gefühle in der Offenheit des Geistes entstehen, wie sie dort spielen und sich wieder auflösen, vergleichbar mit den Wellen im Meer, ohne an sich etwas zu sein. Auf dieser Ebene der direkten Einsicht zeigt der Geist sein zeitloses Wesen, frei von allen dualistischen Erfahrungskonzepten. Gedanken, Gefühle und Sinneseindrücke werden als das freie Spiel des eigenen Geistes erkannt. |
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Eine wichtige Übung im Großen Weg ist die Meditation des Gebens und Nehmens, auf Tibetisch Tonglen genannt. Man entwickelt dabei den starken Wunsch, zunächst einen nahe stehenden Menschen und dann alle fühlenden Wesen von allen Schwierigkeiten zu befreien. Mit jedem Einatmen nimmt man alle Probleme der Wesen als schwarzes Licht von ihnen weg und schickt beim Ausatmen alles Glück und jede Freude in Form von klarem Licht zu ihnen. Am Ende der Meditation stellt man sich vor, dass die Wesen froh und von allen Einengungen befreit sind. Danach verweilt man einen Augenblick in der Offenheit des eigenen Geistes. Die Meditation schafft starke gute Eindrücke, entwickelt Liebe und Mitgefühl und vertieft das Wissen, dass Leid letztendlich nicht wirklich ist (Weisheit). Dabei ist die erste Phase der Meditation Teil des Ausrichtens auf eine Stelle (Shine), die Schlussphase die Einsicht in die Natur des Geistes (Lhaktong). |
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Die Phasen von Geistesruhe und Einsicht (Shine/Lhaktong) sind ebenso Bestandteil der Diamantwegmeditation. Als besonderes Mittel kommt hier die Methode des Vergegenwärtigens von Buddhaformen hinzu. Die Meditation verläuft in zwei Phasen: der aufbauenden Phase und der Verschmelzungsphase. Als Buddha Verwirklichung erlangt hatte, zeigte er die absoluten Qualitäten des Geistes als Formen von Energie und Licht; des Weiteren gab er auf der Ebene von Schwingung die so genannten Mantras, die die nicht bedingten Eigenschaften des Geistes wie Unerschütterlichkeit, Freude, Weisheit und Liebe, die unser zeitloses Wesen sind, ausdrücken. In der aufbauenden Phase stellt sich der Meditierende auf die Form eines Buddhas ein (Vergegenwärtigung), indem er sie als eine durchscheinende Gestalt vor oder über sich im Raum entstehen lässt. Jedes Detail hat eine überpersönliche Bedeutung und weist auf nicht bedingte Eigenschaften des eigenen Geistes hin. Indem der Meditierende einsgerichtet in dieser Vergegenwärtigung verweilt (Shine), kommt der Geist zur Ruhe. Darüber hinaus geschieht, was man als Erwecken bezeichnen könnte. Durch die Konzentration auf die Buddhaform und deren Schwingung (Mantra) erwachen genau die Eigenschaften im eigenen Geist, die von der Lichtenergieform "verkörpert" werden. Was immer schon unser zeitloses Wesen war, wird durch das Ausrichten auf eine "äußere" Form erweckt und erkannt. Am Ende der Meditation löst sich die Form des Buddhas in Licht auf (Verschmelzungsphase). So wie Wasser in Wasser fließt und eins wird, werden Wahrheit draußen und drinnen untrennbar. Der Meditierende verweilt in einem Zustand jenseits aller Vorstellungen. Bewusstsein ruht in sich, ohne auf etwas bezogen zu sein, und erkennt so mehr und mehr seine wahre Natur (Lhaktong). Sind genügend gute Eindrücke aufgebaut, und ist der Geist schon weitgehend von Trübungen befreit, ist in der Verschmelzungsphase spontane Einsicht in die Natur des Geistes möglich. Aus dieser Erfahrung heraus beschreiben die verwirklichten Meister den Geist als offen wie der Raum, leuchtend klar und ohne jede Grenze sowie als spontanen Ausdruck von Unerschütterlichkeit, Freude und Liebe, die sich zum Besten aller Wesen ausdrückt. |
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